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„X-Men: Apocalypse“ – die Review

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Sind es wirklich die Superlative, die einen Film besser oder zumindest erfolgreicher machen? Ja, meint offensichtlich Regisseur Bryan Singer im dritten Teil seines “X-Men”-Reboots. Auftritt für Super-Super-Super-Schurke En Sabah Nu – aka Apocalypse:  Einem Jahrtausende alten Gegner, der offenbar mehr Superfähigkeiten hat, als für einen reputierlichen Mutanten gut sind. Göttlich, wenn man so will. Mit ihm nahm das ganze genetische Chaos seinen Anfang, er will ihm auch ein Ende setzten. Menschheit inklusive.

Verständlich also, dass weder Professor Charles Xavier (James McAvoy) oder seine vielfältig begabten Anhänger das widerstandslos hinnehmen wollen. Vor allem nicht, da ihre Mutanten-Akademie noch dazu einer der ersten Collateralschäden wird. So sammelt jede Fraktion ihre Verbündeten –  und wartet proaktiv auf das Endgame.

Natürlich dem gewaltigsten, das von den “X-Men“… Und da haben wir schon wieder einen Superlativ. Noch einen gefällig? Die meisten neuen Mutanten. Genauer gesagt: So viele, dass die einzelnen Charaktere angesichts der schieren Anzahl von Superwesen regelrecht verblassen. Was weder den in Latex-Kostümen steckenden Stars, noch ihren Comic-Figuren wirklich gerecht wird. In Summe fast schon ein “X-Men“-Witz: “Wie viele Mutanten passen in einen Film? Auf jeden Fall weniger als Bryan Singer hineinpackt.”

Ironie des Schicksals: Noch vor wenigen Jahren konnten man dem Comic-gierigen Publikum nicht genug Neuzugänge an der Mutanten-Front präsentieren. Doch währende ganze Genre längst auch dramaturgisch gereift ist, wirkt “X-Men: Apocalypse” diesbezüglich ein wenig aus der Zeit  gefallen. Old School, wie man sagen könnte. Überraschungen: Keine. Anders – wohlwollender – ausgedrückt: Das Publikum weiß in jeder Minute, was es bekommt. Comic-Action satt, epische Zerstörungs- und CGI-Orgien, Gigantismus pur – und eben: Viele neue Mutanten in bizarren Kostümen mit ebensolchen Fähigkeiten. Von allem bis an die Grenze zum Overkill. Das hat immense Schauwerte, ist in höchstem Maße  unterhaltsam gelegentlich durchaus witzig – und wirkt gleichzeitig doch seltsam uninspiriert.

Kann man natürlich sagen: “Prima – genau dafür wurde doch die Kombination aus Popcorn und 3D-Brille erfunden.” Und damit hätte man völlig recht. Nur ob das reine Erhöhen der Schlagzahl in jeglicher Hinsicht das Franchise auf Dauer in die Zukunft trägt, darf bezweifelt werden. Dazu fehlt “X-Men: Apocalypse” in Summe der Reiz des Ungewissen. Der neue Twist, der das Warten auf den nächsten Teil für Fans zur Qual macht. Denn mit was wollen Bryan Singers “X-Men” ihr Publikum jetzt noch überraschen? Einem noch größerer Gegner? Noch mehr Superlativen? Echt jetzt?

Der Trailer zu X-Men: Apocalypse