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„Whiskey Tango Foxtrot“ – die Kritik

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Whiskey Tango Foxtrot” wer schon mal Bekanntschaft mit dem Hang des Militärs gemacht hat , durch akribisches Buchstabieren Irrtümern in der Befehlskette vorzubeugen, wird auch das schnell dechiffriert haben: “WTF” kurz für “What The Fuck“. “Was zur Hölle” denkt sich auch die unbedarfte Journalistin Kim Barker, als sie irgendwo im Kriegsgebiet von Afghanistan ihren Job als Kriegsberichterstatterin aufnimmt. Auf der Positiv-Seite: besser als das verbrauchte Leben in New York mit ihrem Depri-Freund. Deshalb hat sie sich ja auch freiwillig für den Job gemeldet.

Auf der anderen Seite: Im Jahr 2003 also während des zweiten Irak-Kriegs ist Kabul eine surreale Hölle. Vor allem wenn man Auslandserfahrung und Sprachkenntnis nahe Null mitbringt. Und weder bei den partywütigen Kollegen noch beim Militär irgend jemand den Anschein erweckt, er wisse auch nur im Entferntesten was er tut. Oder gar warum. Oder ob das was er tut, den geringsten Sinn hat. Menschen sterben ununterbrochen und auf allen Seiten. Andere flüchten sich in Drogen oder Sex und alle Reporter suchen sowieso stets den nächsten Coup. Und den nächste Kick. Denn je mehr Kim Teil des absurden Theaters wird, desto stärker wirkt auch in ihr die Droge Adrenalin. Und desto größer wird das Verlangen, die eigene Comfort-Zone auszudehnen. Und zwar in jeglicher Hinsicht…

Die beiden Regisseur Glenn Ficarra (I Love You, Phillip Morris) und John Requa (Crazy Stupid Love) konnten offenbar der Versuchung nicht wiederstehen, das Buch der echten Kim Barker zu verfilmen: The Taliban Shuffle: Strange Days in Afghanistan and Pakistan lautet der Titel und beschreibt genau das in der Realität, was Golden Globe-Gewinnerin Tina Fey jetzt kongenial auf die Leinwand bringt: Den völligen Irrsinn der Kriegsberichterstattung in einem höchst komplexen Konflikt mit völlig unterschiedlichen Interessenslagen. Und das ist tragisch, mitreißend, extrem kurios und noch dazu äußerst witzig.

Zum Teil liegt das an der Hauptdarstellerin, zum anderen an ihren spielfreudigen Star-Kollegen Margot Robbie, Martin Freeman, Billy Bob Thornton und Alfred Molina. Immer vorausgesetzt, der Zuschauer lässt sich mitreißen bei einen schwarzhumorigen Ausflug in die Niederungen des Journalismus in dem Wissen, dass eben nicht alles nur kreativer Ausfluss Erfindung eines guten Drehbuchautors ist. Man weiß ja: Das Leben schreibt die besten Geschichten. Davon, dass sie geschmackvoll, gerecht oder  politically correct sind, hat keiner was gesagt.