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„Verräter wie wir“ – die Kritik

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Eigentlich will das englische Pärchen Perry (Ewan McGregor) und Gail (Naomie Harris) nur mit einem Urlaub in Marrakesch seine Ehe retten. Doch irgendwie landen sie auf einer glamourösen Party. Eher eine ausufernde High-Society-Orgie: Russen. Extrem reich, ebenso tätowiert riecht alles stark nach Mafia. Aber was soll’s: Der Champagner ist fantastisch, der Gastgeber überschwänglich – warum also eigentlich nicht? Weil Perry im Laufe des Abends vom Hausherrn um einen kleinen Gefallen gebeten wird. Er soll bei der Heimreise dem britischen Geheimdienst MI6 einen USB-Stick aushändigen – mehr nicht. Ach ja: Und sagen, der sei ein freundlicher Gruß vom Geldwäscher Nummer eins der russischen Mafia…

Warum sich Perry darauf einlässt so richtig weiß er es hinterher selbst nicht mehr. Entsprechend schwach sein Auftritt beim MI6. Die denken nämlich nicht daran, ihm den UBS-Stick abzunehmen, artig Danke zu sagen und ihn dann seines Weges ziehen zu lassen. Der russische Name Dima (Stellan Skarsgård)  elektrisiert den Geheimdienst. Vor allem, als sich herausstellt, dass der Mafiosi aussteigen will und sein neues Leben im Schutz des MI6 mit einer Liste hochbrisanter Namen und dazu passenden Schwarzgeld-Konten erkaufen will. Den Namen korrupter britischer Politiker und Geschäftsmänner.

Der Mafia gefällt das weniger: Die versuchen alles, den Abtrünnigen samt Familie zu liquidieren. Zwar verspricht der MI6 Schutz, doch auch der Einsatzleiter hat die Brisanz der Namen auf der Liste unterschätzt. Plötzlich wollen alle irgendwie Dimas Tod. Bis auf ein kleines Trüppchen Agenten – und  Perry und Gail. Die beiden Zivilisten entwickeln sich für die riskante Aktion mehr und mehr zu Schlüsselpersonen – was sie gleichzeitig zu Zielpersonen macht…

Komplexe Romane von Spionage-Spezialist John le Carre adäquat umzusetzen, ist nur wenigen Filmemachern vorbehalten. Regisseurin Susanna White beweist mit Verräter wie wir, dass auch sie zu dem illustren Kreis gehört. Das liegt zunächst mal daran, dass sie sich an die cineastische Grundregel Numero Uno hält: Wenn du einen starken Stoff auf die Leinwand bringen willst hol dir starke Leute. Und diesem Ensemble aus höchst kompetenten Mimen beim Spiel zuzusehen, ist einfach ein Genuss: Ewan McGregor, Damian Lewis, Stellan Skarsgård, Naomie Harris… Einen einzelnen herauszuheben, ist bei der geschlossenen Schauspielleistung nicht wirklich möglich. Na gut – ist es doch: Damian Lewis. Buchstäblich bis zur letzten Minute bleibt der Homeland-Star als MI6-Agent so unlesbar wie in seiner Paraderolle als Schläfer/Nichtschläfer Nicholas Brody aus der grandiosen TV-Serie.

Doch eine Warnung muss sein: Action-Fans werden in den 107 Minuten immer längere Gesichter ziehen. Verräter wie wir ist ein Spionagethriller reinsten Wassers: Geheimnisse/Desinformation, Verrat/Ehre, Aktion/Reaktion: Das sind Themen, mit denen hier in exquisiten Bildern und atmosphärisch dichten Szenen virtuos jongliert wird. Leben/Sterben schon auch. Aber eben nicht via choreografierter Superlativ-Action. John le Carre war selber lange Agent. Und in seinen Romane stirbt man, wie wohl auch in der spionagetechnischen Realität: Durch kurzen Feuerstoß oder schnellen Stich. Das gigantische Feuerwerk überlässt er Sly Stallone und dessen Expendables.

Bei der kongenialen Verfilmung verdichtet sich einfach das Geschehen – ohne Hast und doch bis an den Rand des nervlich Erträglichen. Da braucht es keine Stunts, massive Explosionen oder Bleigewitter um den Tod unausweichlich zu machen. Die Frage ist letztlich nur: Wer ist es, der am Ende noch auf seinen Beinen stehen wird…?

 Der Trailer zu Verräter wie wir