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„The Witch“ – die Review

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Die Hexe. Ein Klassiker des Schreckens – nicht erst seit den Brüdern Grimm. Zwischenzeitlich wird sie immer wieder von Monstern, Zombies, Vampiren und sonstigem Gelichter in den filmischen Hintergrund gedrängt. Doch immer wieder erhebt sie ihr hässliches Haupt. Denn als Figur des Grauens, als Werkzeug des Bösen, steckt sie seit Jahrhunderten, vielleicht Jahrtausenden in unserem kollektiven Unterbewusstsein. So jemand kann warten. Bis sich zum Beispiel ein Regisseur wie Newcomer Robert Eggers ihrer annimmt und sie erneut auf die Leinwand zerrt.

Der lässt sein Publikum in The Witch teilhaben am sinistren Schicksal einer puritanischen Farmerfamilie im Neuengland von 1630.  Um in Ruhe ihren Glauben zu leben, verlässt diese die Grenzen der Stadt und siedelt am Rande eines düsteren Waldes. Doch von Anfang an liegt kein Segen auf dem neuen Leben: Missernten, ein verschwundenes Kind – eine Kette seltsamer, bedrohlicher Ereignisse nimmt ihren Lauf. In dieser Epoche kommt dafür nur eine Erklärung in Frage: Tödliches Wirken einer Hexe bedroht die Familie. Doch wer steckt dahinter? Wer ist es, der seinen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. Gar ein Mitglied der eigenen Familie? Schnell fliegen Beschuldigungen, wird aus familiärer Liebe Misstrauen, aus Misstrauen ein Gemisch aus Angst und Zorn. Und Zorn führt schnell zu Gewalt und Schlimmeren.

Der Familie beim Gleiten in die Finsternis über die Schulter zu blicken, hat auf mehreren Ebenen etwas tief Verstörendes. Das liegt zunächst an der authentischen Atmosphäre des Siedlerlebens, die Detailfetischist Eggers in bedrückenden Bildern einfängt. Dazu schafft er filmisch eine starke Nähe zu seinen Figuren, die das Publikum zum Familienmitglied werden lässt einem, das dazu auch noch zur Hilflosigkeit verdammt ist. Und somit der omnipräsenten Bedrohung schutzlos ausgeliefert…  Ausgeliefert auch der seelischen Zerrissenheit zwischen Glauben, Aberglauben, Einbildung und Realität – einem Kampf, der vor vierhundert Jahren vielleicht noch konkreter war. Doch ruft The Witch eindringlich in Erinnerung, dass sich auch heute davon niemand freisprechen kann; so gerne die Menschheit diesen Ballast auch mit dem Mittelalter hinter sich gelassen hätte…

Ist The Witch ein Horrorfilm? Auch. Wenn auch eher dem Blair Witch Project verwandt, als schnellgeschnittenem Gemetzel. Das macht ihn allerdings nicht weniger aufreibend. Volle Wirkung entfaltet er jedoch nur, wenn man bereit ist, in die Geschichte einzutauchen. Wer auf der Suche nach dem schnellen Adrenalinschub ist, findet bessere Kandidaten. Doch nicht umsonst wurde der Regisseur für The Witch beim Sundance Film Festival 2015  mit dem Regiepreis für den besten Spielfilm ausgezeichnet. Denn wer sich von einer folkloristischen Mär mit emotionalem Nachhall immer tiefer ins Dunkel führen lassen möchte, findet hier eine kleine Perle.

Der Trailer zu The Witch