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„The First Avenger: Civil War“ – die Review

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Das Marvel-Universum ist ein gefährlicher Ort. Für Superhelden und erst recht für Normalsterbliche. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Und wo Superteams wie die Avengers mit üblen Göttern à la Loki oder Superwesen wie Ultron kollidieren, kommt es zu massiven Kollateralschäden manchmal ganzen Stadtteilen. 117 Länder wollen die Avengers daher unter die Kontrolle der UN stellen. Einem  krisengebeutelten Genie wie Tony Stark aka Iron Man mag das als gute Idee erscheinen. Bei einem vom Führungsstab verratenem Patrioten wie Captain Amerika  der in seinem letzten Solo-Abenteuer feststellen musste, wie umfassend sogar Shield von Hydra unterwandert wurde weckt das größte Skepsis. Als dazu noch sein alter Freund Bucky Rogers als Winter Soldier auf eine Todesliste gesetzt wird, muss er eine Entscheidung treffen. Und die macht ihn und Tony Stark zu erbitterten Gegnern. Gegnern, von denen jedoch keiner alleine in den Kampf zieht…

Alle Comic-Fans, die mit der Welt von Marvel vertraut sind die mit Spider Man, den Avengers Co seit Jahren durch Höhen und Tiefen gehen willkommen daheim. Für sie fühlt sich Civil War an, wie die Lindenstraße der Superhelden: Vertraute und Vertrautes, einige vielversprechende Neuzugänge, wechselnde Konstellationen und Konflikte all das natürlich aufs Gigantische hochskaliert.  Die beiden Regiebrüder Anthony und Joe Russo  haben ja schon bei The Return of the First Avenger nicht viel falsch gemacht. Und auch bei ihrem neuen Streich liegt die Fehlerquote nahe Null. Das Gleiche nur mehr davon, lautet ihr Motto. Und genau darauf haben Comic-Fans ja auch gehofft.

Was diesmal Story und Dramaturgie extrem gut tut:  Die Abkehr von der simplen Formel, bei jeder Fortsetzung einfach immer mächtigere Feinde nachzuschieben. Das geht auch anders, plausibler: Denn unter all ihren Kostümen, Masken und Rüstungen sind auch Helden nur Menschen. Menschen, die bei komplexen ethischen Entscheidungen auch mal danebenhauen und wenig später aufeinander ein. Spätestens dann brauchen Superhelden keine Superschurken mehr sie machen sich selbst das Leben zur Hölle. Bis zu den Punkt, wo es nicht mehr um von Wohlwollen gedeckeltes Gerangel unter alten Kampfgefährten geht. Sondern um in Adrenalin und reiner Wut getränkten Hass. Und dem Ziel, den ehemaligen Freund auszuschalten. Kompromisslos und mit allen Mitteln. Vielleicht für immer.

Ursache Wirkung, Recht Unrecht: Alle Grenzen verschwimmen, werden zum Opfer von Emotionen, Dogmen und tödlicher Dynamik. Doch genau durch diesen Touch Realität, diese Abkehr von der Schwarz-Weiß-Zeichnung erhalten die Konflikte Tiefe, die Figuren immer mehr Profil und Charakter. Fast unnötig zu sagen, dass der Clash der Helden optisch auf höchstem Niveau stattfindet. Und dass die neue Superhelden-Dämmerung einige der besten Action-Szenen beinhaltet, die es im Marvel-Universum bislang zu sehen gab.

Einige der besten Newcomer auch:  Etwa mit Tom Holland einen dauerquasselnden Spider Man, den man von der ersten Sekunde an knuddeln könnte. Und mit Chadwick Bosemaneinen Black Panther, der mit der Geschmeidigkeit eines na was wohl? kämpft. Und mitMartin Freeman einen der undurchsichtigsten… Und mit Daniel Brühl einen der nachvollziehbarsten… Kurz gesagt: Hat was, dieser Civil War. Und zwar verdammt viel davon.

Ob er wirklich der beste aller bisherigen Superhelden-Filmen ist? Sollen die Fans ausdiskutieren. Leicht wird der Disput nicht aber wir haben hier einen potentiellen Gewinner am Start. Einen, der es dem Zuschauer bis zum Schluss fast unmöglich macht, sich für eine Fraktion zu entscheiden. Und der mit seinem Cliffhanger das Warten auf Avengers: Infinity War Part I im Jahr 2018 zur echten Belastungsprobe für Nerven und Geduld aller Comic-Fans werden lässt.