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„Monsieur Chocolat“ – die Review

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Kaum eine Rolle ist so vielschichtig wie die des Clowns. An der Oberfläche wartet natürlich der Spaßmacher auf sein Publikum – der Mann mit den wilden Faxen, der die Menschen zu Lachen bringen muss. Doch darunter liegt immer etwas Trauriges, tief Verzweifeltes. Etwas, das von der grellen Heiterkeit nur mühsam in Zaum gehalten wird. Und für wen könnte das mehr gelten als für Rafael Padilla. Selbst aus der Sklaverei geflohen, brachte der historische Bühnenartist kurz vor Beginn des 20. Jahrhunderts als erster schwarzer Clown ganz Paris zum Brüllen vor Lachen. Dabei stets an seiner Seite: Sein Entdecker, Partner und Freund George Footit (James Thierree).

Zusammen bilden sie das Duo Footit und Chocolat – und erobern mit ihrer grotesken Show die Hauptstadt Frankreichs. Doch weder Ruhm noch Reichtum können Monsieur Chocolat auf Dauer über die Erkenntnis hinwegtrösten, dass die Gesellschaft in ihm wenig mehr sieht, als ein Bindeglied zwischen Mensch und Tier. Ein Kuriosum. Einen Exoten, der zwar höchst possierliche Faxen macht – den als ebenbürtig zu betrachten jedoch völlig absurd wäre. Doch genau das möchte Padilla jede Minute seines zerrissenen Lebens mehr: Kein Clown sein sondern Künstler. Kein Neger – sondern Franzose…

Mit der französischen Erfolgskomödie Ziemlich beste Freunde hat Omar Sy 2011 bewiesen, über welches immense Talent der Selfmade-Schauspieler verfügt. Und auch die Rolle des tragischen historischen Clowns trägt der längst in Hollywood angekommene Star wie eine zweite Haut. Das gilt für die heiteren Momente  – aber fast noch mehr für die Ernsten des wundervollen Biopics von Regisseur Roschdy Zems. Aber Achtung: Wer hier eine entspannt-witzige Komödie erwartet, wird enttäuscht: Monsieur Chocolat ist vieles: ergreifendes menschliches Drama, üppiges historisches Dokument, gesellschaftliche Warnung und noch weit mehr. Eine Komödie nicht.

Natürlich: Es geht um Zirkusclowns, ohne Lacher geht es nicht und soll es auch nicht. Aber zunächst ist das große Werk eine ergreifende Reise durch die Zeit – in eine Epoche, gefesselt von gesellschaftlich zementierten Überzeugungen und Dünkel. Und um einen Gast darin, der ihr viel zu geben hat. Ein Gast der irgendwann lediglich einen Fehler begeht: selbst aussuchen zu wollen, welche Teile von sich er Paris schenken möchte. Ein schöner Film, ein gelungener Film, ein wichtiger Film. Und vor allem: höchst unterhaltsam dazu.

Der Trailer zu Monsieur Chocolat