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„Mein Blind Date mit dem Leben“ – die Kritik

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Der frischgebackene Abiturient Saliya Kahawatte (Kostja Ullmann) ist intelligent, zielstrebig, optimistisch und blind. Jedenfalls nahezu. Für jemanden, der eine Karriere im Hotelgewerbe anstrebt, nicht eben die beste Voraussetzung. Und doch ist genau das ein Traum des jungen Mannes. Einer, der durch ein souveränes Vorstellungsgespräch im Münchener Luxushotel Bayerischer Hof plötzlich in greifbare Nähe rückt. Kleiner Haken an der Sache: Seine Behinderung hat er bei dem ganzen Bewerbungs-Prozess komplett verschwiegen.

Spätestens seit einem Beratungsgespräch bei der Arbeitsvermittlung ist ihm nämlich klar: Der Jobmarkt für Sehbehinderte wie ihn ist, gelinde gesagt, wenig attraktiv. Hören Sie auf zu träumen”, lautete damals der entsprechend motivierende Tipp seiner Beraterin. Aber warum eigentlich? Er wittert eine Chance – und ist wild entschlossen, sie zu nutzen. Selbst, wenn diese auf einer Lüge basiert. Oder zumindest dem Verschweigen relevanter Fakten. Und bei genauerer Betrachtung eine hundertprozentige Wahrscheinlichkeit des Scheiterns birgt. Doch genaues Betrachten gehört ja gerade nicht zu seinen großen Stärken. Optimismus und Ausdauer schon.

Einfach mal machen…

Also stürzt sich Sali, wie ihn seine Freunde nennen, in die die absurd scheinende Aufgabe. Mit allen ihm zur Verfügung stehen Mitteln versucht er, sein Manko auszugleichen. Dazu gehören Kompensations-Tricks, die der gewitzte Perfektionist verbissen trainiert: Schritte und Stufen zählen, Wege und Positionen auswendig lernen. Kurz: jedes Detail seiner vielfältigen Aufgaben üben, üben, üben….

Das  erfordert Improvisationstalent, immensen Fleiß – und Verbündete. Seine Schwester zum Beispiel. Und seinen neuen Kollegen Max (Jacob Matschenz), der sich schnell als echter Kumpel entpuppt und ihm in der Nobelherberge unermüdlich zur Seite steht. Als sich noch eine Romanze mit Gemüselieferantin Laura (Anna Maria Mühe) ihren Weg bahnt, scheint Salis Glück perfekt.

Zu schön, um wahr zu sein

Bekanntlich fast immer der Moment, in dem das Schicksal zuschlägt. In Form eines höchst argwöhnischen Vorgesetzten, der ihn mit Hingabe auf genau die Arbeiten ansetzt, die dem Sehbehinderten besonders schwerfallen. Oder in Form von Tücken und Herausforderungen des neuen Jobs, die sich einfach nicht kompensieren lassen. Jedenfalls nicht, ohne sein Geheimnis preiszugeben – und damit all das  zu verlieren, was er sich mühevoll aufgebaut hat.

Mein Blind Date mit dem Leben fühlt sich gut an, ist witzig, optimistisch, nie platt – und noch dazu über große Strecken wahr. Denn für seine so sympathische wie glaubhafte Interpretation des hoffnungsvoll unverzagten An-Sich-Selbst-Glaubers hatte Kostja Ullmann einen echten Heimvorteil: Saliya Kahawatte gibt es wirklich. Der hat ein Buch über seine Erlebnisse geschrieben, die dem Film von Marc Rothemund zu Grunde liegen – und stand dem Filmteam auch beratend zur Seite. Einer der unbeschwertesten Beiträge zur Inklusions-Debatte, der seit langer Zeit im Kino zu sehen war – und das ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder ähnliche moralinsaure Filmmittel.

Der Trailer zu Mein Blind Date mit dem Leben