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„Jason Bourne“ – die Kritik

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Die Vergangenheit war schon immer das große Problem für Kultagent Jason Bourne. Im ersten Teil der Reihe, weil er sich nicht an seine eigene erinnern konnte. Später weil das, was er darüber herausfand, auch für Agenten maximal verstörend war. Und jetzt im fünften Ableger der Story um den Stachel im Fleisch der CIA weil sie ihn unbarmherzig zurück zieht. Zurück in ein Leben zwischen allen Fronten, das die lebende Waffe eigentlich weit hinter sich lassen wollte.

Denn Bourne war abgetaucht, hatte sich komplett aus dem Spiel genommen. Mit illegalen Faustkämpfen versucht er, der für den Kampf geschaffen wurde, seine Dämonen zu füttern und gleichzeitig sein Leben zu fristen. Zwar weiß er mittlerweile, was er ist doch das komplette Bild des geheimen CIA-Programms liegt auch für ihn weiter im Dunkeln. Bis er von seiner ehemaligen Kollegin Nicky (Julia Stiles) Informationen zugespielt bekommt, die ihn zurück auf die Bühne zwingen. Hochsensible Daten, die ein Hack den Rechnern des Geheimdienstes entlocken konnte. Und die zumindest aus Sicht der CIA jetzt in komplett falsche Hände geraten sind.

Bei den verzweifelten Bemühungen, das Leck wieder abzudichten, schreckt sein ehemaliger Arbeitgeber vor nichts zurück. Schnell fliegen Kugeln, sterben Menschen. Einmal mehr kämpft Jason Bourne um sein Leben und gegen eine CIA, die nichts mehr gemein hat mit der Institution aus seiner Vergangenheit. Agenten wie er sind längst Anachronismen. Aussterbende Fossile, deren Eliminierung überfällig ist. Die wahren Kämpfe werden an Tastaturen ausgetragen: Datenhoheit und Analyse-Algorithmen haben Kugeln und Klingen abgelöst. Doch genau das sind nun mal die Mittel, über die Bourne verfügt. Und bald müssen sowohl CIA-Chef Tommy Lee Jones als auch sein undurchsichtiger Protege Alicia Vikander feststellen, dass sogar bedrohte Arten schmerzhaft zubeißen können, wenn man sie nahe genug herankommen lässt.

Matt Damon als wortkarger Killer wider Willen zurück in seiner Paraderolle. Neun Jahre hat es gedauert. Neun lange Jahre, die man sowohl dem Star als auch seiner Rolle ansieht und die Jason Bourne bei seinem Comeback verdammt gut zu Gesichte stehen. Der Bubi-Touch von früher gehört endgültig der Vergangenheit an: Hier betritt ein Fighter den Ring, den die Jahre des Kampfes und eines Lebens im Untergrund eisenhart geschmiedet haben. Der kein Mitleid mehr kennt und auch keines erwartet.

Der raue, authentische Tonfall war ja immer schon Markenzeichen der Bourne-Inszenierungen von Regisseur Paul Greengrass ebenso, wie das Stilmittel der Handkamera-Optik, mit der die Action erfolgreich geerdet wird. Und dank eines mitreißenden Auftakts ist übergangslos das alte Bourne-Feeling wieder da: Sprintet, rast, fightet man, mit dem wohl dynamischsten Oldschool-Agenten, den Hollywood in den letzten Jahrzehnten kreiert hat.

Was das neue Abenteuer dabei zu einem lohnenden filmischen Erlebnis macht, ist der richtige Mix: Matt Damon ist Jason Bourne. Noch nie war der 45-jährige Schauspieler so eng in der Rolle des Ex-Agenten, wie bei seinem vierten Auftritt. Auch das Ensemble, das ihm dabei zur Seite gestellt wurde, ist exzellent: Tommy Lee Jones, Alicia Vikander, Vincent Cassel als zweiter Oldschool-Killer genannt The Asset  solchen Könnern bei der Arbeit zuzusehen, macht einfach Spaß. Und die konsequente Action, natürlich. Selbst wenn Paul Greengrass hier streckenweise etwas viel Bombast auffährt was eigentlich nie zu den Stärken der Bourne-Reihe gehörte.

Im Kern steht dabei aber letztlich der Kampf Mensch gegen Maschine in dem Fall: einsamer Kämpfer aus Fleisch und Blut gegen omnipräsente Überwachung und konsequentes Analysieren digitaler Signaturen. Wer sich bei diesem Clash die Sympathiepunkte des Publikums abholt, ist keine Frage. Dass die eigentlich Story dabei eigentlich weder besonders tragfähig noch originell ist, fällt bei dieser Aufbereitung nicht weiter ins Gewicht. Erst freut man sich einfach, Jason Bourne wieder zu sehen den Rest des Films kommt man sowieso weder zum Atemholen, geschweige denn zum Nachdenken. Womit Greengrass allen Fans der Reihe genau das gibt, was sie sich neun Jahre lang erhofft haben. Straight, rasant und härter denn je: Willkommen zurück, Jason Bourne. Jetzt wissen wir wieder, warum wir dich vermisst haben.

 Der Trailer zu Jason Bourne