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Ist KKiste.to legal oder illegal: Wir klären euch über die Risiken beim Streamen auf

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Am 28. April 2016 ist es soweit und mit “Captain America 3: Civil War” erreicht uns in Deutschland endlich der nächste Marvel-Film. Kurz nach dem offiziellen Release wird es nicht lange dauern, bis Portale wie kkiste.to den Blockbustern kostenlos zum Streamen anbieten. Klingt nach einem verlockenden Angebot, dass viele nutzen, ohne sich wirklich zu informieren, inwieweit sie damit womöglich gegen das Gesetz verstoßen. “Hab gehört, dass es legal sein soll”, “machen doch eh alle”, “mich erwischen die schon nicht” sind gängige Parolen, mit denen meist das gefährliche Halbwissen als Überzeugung nach außen verkauft werden soll. Ob diese Aussagen ihre Berechtigung haben oder die Schwarmintelligenz hier daneben greift, erklären wir euch in diesem Artikel.

Zunächst folgt eine kurze Zusammenfassung, bevor wir euch die genaue Gesetzeslage erklären, die beim Streamen greift.

Übersicht – Ist KKiste legal oder illegal?

  • Die Verantwortlichen hinter solchen Seiten begehen definitiv eine Straftat, da sie geschützte Inhalte ohne Erlaubnis zur Verfügung stellen
  • Für die Nutzer dieses “Angebotes” gilt die vielzitierte “rechtliche Grauzone”
  • Beim Streamen werden komprimierte Daten im Zwischenspeicher abgelegt
  • Urheber und Anwälte argumentieren, dass damit bereits eine illegale Kopie angefertigt wird
  • Vor Gericht wurden Nutzer bislang allerdings nicht belangt, da das Zwischenspeichern als flüchtig und begleitend eingestuft wurde
  • Ob sich diese Rechtsauslegung in Zukunft ändern wird, ist natürlich nicht garantiert
  • Sicher und moralisch richtig sind VoD-Anbieter wie Netflix, oder

Soweit die Kurzfassung, stürzen wir uns nun in die Paragraphen – keine Angst, das wird nicht so langweilig, wie es sich anhören mag. Versprochen.

Der wichtige Unterschied zwischen Betreiber und Nutzer

Fangen wir zunächst mit dem rechtlich eindeutigen Fall an: Die Betreiber von KKiste.to begehen definitiv eine Straftat. Auf ihrem Portal werden Filme und Serien kostenfrei und öffentlich zur Verfügung gestellt, ohne dass die Urheber dafür eine Erlaubnis erteilt haben. Diese ist nämlich in der Regel kostenpflichtig, weswegen ihr bei seriösen Anbietern Geld bezahlen müsst. Die Streams, mit denen die Inhalte konsumiert werden können, sind zwar nicht direkt auf solchen Seiten, aber werden dort eben zur Verfügung gestellt, was als Straftatbestand ausreichend ist. Um zu klären, wie sich die Lage beim Nutzer verhält, müssen wir kurz erklären, was beim Streamen überhaupt geschieht.

Streamt ihr einen Film oder eine Serie, werden die nötigen Daten in komprimierter Form im Zwischenspeicher eures PCs abgelegt. Darauf greift letztlich euer Player zurück und gibt euch die Inhalte wieder, wodurch ihr sie sehen könnt. Man könnte nun also argumentieren, dass für eine bestimmte Zeit geschützte Produkte auf eurem PC gespeichert werden – und genau dies tuen Urheber und deren Rechtsvertreter. Denn laut § 16 des Urheberrechtsgesetz (UrhG) hat eben nur der Urheber das Recht, Kopien seines Werkes zu erstellen. Folglich wären auch Nutzer strafbar, aber wir dürfen einige weitere Paragraphen nicht vernachlässigen.

Greift beim Streamen das Recht auf Privatkopie?

Dank  § 53 des UrhG habt ihr das Recht, für den privaten und nicht-kommerziellen Gebrauch Vervielfältigungen anzufertigen. Dies geht allerdings mit der Einschränkung einher, dass ihr “nicht zur Vervielfältigung eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet”. So mancher argumentiert nun, dass die Nutzer nicht wissen können, ob KKiste.to solch eine Quelle darstellt, aber wenn wir ehrlich sind, dürfte jedem klar sein, dass die Seite definitiv in diese Kategorie fällt. Das Recht zur Privatkopie würde also nicht greifen, aber es gibt noch § 44 UrhG“Zulässig sind vorübergehende Vervielfältigungshandlungen, die flüchtig oder begleitend sind und einen integralen und wesentlichen Teil eines technischen Verfahrens darstellen”. 

Genau an diesem Punkt scheiden sich nun die Geister und wir tauchen tief in die rechtliche Grauzone ein. Bislang wurde dieser Paragraph bei Gerichtsentscheidungen berücksichtigt, weswegen Nutzer für das Streamen noch nicht belangt wurden. Urheber und Abmahnanwälte werten aber bereits die Daten im Zwischenspeicher als illegale Kopie, was Nutzer belasten würde. Die rechtliche Interpretation ist selbst unter Juristen äußerst umstritten; je nachdem, welches Anliegen sie vertreten.

Greift lieber zur Alternative

Auch wenn euch momentan keine Konsequenzen drohen sollten, bedeutet das nicht, dass es nie dazu kommen wird. Ein Präzedenzfall zugunsten der Urheber könnte die derzeit sicher wirkende Lage schnell umkippen lassen. Eindeutig sicher sind nur Streaming-Dienste wie Amazon Prime, Maxdome, Netflix oder eben der Gang in den Kinosaal. Auch wenn moralische Predigten selten gut ankommen: Ihr wollt immerhin von den qualitativ hochwertigen Filmen und Serien profitieren und damit Urheber diese auch in Zukunft finanzieren können, müssen sie die immensen Kosten natürlich wieder einspielen können.

Noch ein kurzer Nachtrag zum File-Sharing: Davon solltet ihr absolut die Finger lassen, da bei diesem Vorgang eine dauerhafte Kopie auf eurem Rechner hinterlegt wird, was zweifellos strafbar ist. Hierbei müsst ihr dann auch häufig mit empfindlichen Geldstrafen rechnen, die gerne mal in den vierstelligen Bereich gehen können. Vierstellig vor dem Komma versteht sich.