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„Independence Day: Wiederkehr“ – die Kritik

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Vor genau 20 Jahren ließ Starregisseur Roland Emmerich zum ersten Mal seine Aliens auf der Erde ausschwärmen. Fremdartige, brutale Wesen. Ein Volk, das heuschreckengleich von Planet zu Planet zog um seine Bewohner zu unterjochen, alle Ressourcen zu plündern und dann weiter zu ziehen. Technologisch unserer Erde weit überlegen. Damals hatten die Außerirdischen nicht mit der Entschlossenheit und dem Heldenmut von Männern wie Captain Steve Hiller (Will Smith) oder Präsident Thomas J. Whitmore (Bill Pullman) gerechnet – und schon gar nicht mit dem Genius des Satellitentechnikers David Levinson (Jeff Goldblum).

Genüsslich zerlegte Emmerich damals das Weiße Haus plus etliche Metropolen der Welt – um seine Zerstörungsorgie später auf die feindlichen Raumschiffe auszudehnen. Schon allein die Effekte ließen allen Science-Fiction-Fans die Kinnlade nach unten klappen. Wodurch der Regisseur endgültig in Hollywood den Ruf erlangte, mit maßvollem Einsatz von Mitteln das Maximum an Wirkung zu erzielen. Auch die Schauspieler waren mit sichtlichem Spaß bei der Sache. Story und Pathos stimmten – ein Filmhit war geboren, der bis heute Kultstatus genießt .

Doch wie heißt es in der Werbung für die Fortsetzung? Wir wussten immer, dass sie zurückkehren werden!. Nur dass es so lange dauern würde, war eine Überraschung – vor allem für Millionen Fans. Aber jetzt ist es endlich soweit. E.T.s gierige Brüder sind zurück und die ganze lange Vorbereitungszeit soll den Menschen nicht allzu viel nutzen. Denn auch, wenn die technologische Hinterlassenschaft der Invasoren vor 20 Jahren unsere Wissenschaftler zu wahren Entwicklungssprüngen befähigte. Die frischen Außerirdischen sind nicht nur mies drauf – sie haben auch noch den einen oder anderen neuen Trick gelernt. Im großen Stil mit der Schwerkraft herumspielen, zum Beispiel.

Für die irdischen Städte ist das eher nicht so gut. Doch wie früher schon krempeln die Überlebenden die Ärmel hoch, um nicht völlig ohne Gegenwehr unterzugehen. Schließlich ließ sich schon einmal eine Schwachstelle bei den Angreifern finden. Und wenn nicht, kann man wenigstens als Held sterben…

Zunächst die gute Nachricht: Die Schauwerte von Independence Day: Wiederkehr sind überwältigend. Wenn Gott jemals Hilfe bei der Apokalypse brauchen sollte – Roland Emmerich ist sein Mann. Niemand sonst zerlegt den halben Planeten mit solcher bombastischen Glaubwürdigkeit. Die schlechte: Es kümmert einen nicht wirklich. Okay die Erde ein Trümmerhaufen. Mist. Aber egal… wird schon wieder. Ans Herz gewachsen ist die Welt von Independence Day 2 bis zum Einsetzen der Zerstörungsorgie nämlich keinem so richtig. Ebenso die Bevölkerung speziell die Neuzugänge. Da kann Kampfpilot Liam Hemsworth noch so den patriotischen Helden geben – das Herz des Publikums gehört weiterhin Jeff Goldblum und Bill Pullman. Und zwar seit zwei Jahrzehnten.

Auch insgesamt hat den vagen Eindruck, das alles schon mal gesehen zu haben. Wenn natürlich mehrere Nummern kleiner – dafür aber mit mehr Herz. Der Fluch der Fortsetzung. Aber diese Falle war ja allen Beteiligten bewusst – vielleicht einer der Gründe, warum sich Will Smith nicht mehr zum Dienst gemeldet hat. Dennoch: Als Aktion-Blockbuster im XXXL-Format funktioniert Independence Day: Wiederkehr hervorragend. Wer sich allerdings noch an das wohlige Gefühl erinnern kann, als beim Vorgänger der Abspann über die Leinwand  lief, wird enttäuscht sein. Episches Popcornkino – ja. Kult – nein. Ob sich dafür 20 Jahre Wartezeit gelohnt haben, muss jeder für sich entscheiden.