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„Frühstück bei Monsieur Henri“ – die Kritik 

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Wären mehr Menschen wie Monsieur Henri (Claude Brasseur), hätte der Teufel sich die Hölle sparen können: Wie eine bösartige Giftspinne sitzt der halsstarrige Pensionär in seiner riesigen Wohnung in Paris – und überzieht den Rest der Welt mit offensiver Ablehnung. Alles Idioten…

Vor allem sein Sohn, der sein nicht mehr ganz junges Leben ja ganz offensichtlich an ein grenzdebiles Weib verschwendet. Wie kann man nur so ein blinder Kretin sein? Noch ein Idiot mehr. Das lässt sich ja auch klar an der neuesten Idee des Filius ablesen: Der will seinem Vater per Annonce eine Untermieterin zuschanzen,  die nebenbei ein Auge auf dessen angeschlagene Gesundheit haben soll. Überflüssig wie ein Kropf…

Entsprechend wird keine Bosheit ausgelassen, um Interessenten abzuschrecken. Doch es hilft nichts: Irgendwann sitzt die abgebrannte Studentin Constance (Noemie Schmidt) mit ihm in der Wohnung. Im sündteuren Paris hat sie keine Alternative – strenggenommen kann sie sich nicht mal diese Wohnung leisten. Doch hübsch ist sie ja, das junge Ding…

Seinem Charakter entsprechend, sieht Monsieur Henri hier unerwartete Möglichkeiten. Sein unmoralisches Angebot: Sechs Monate kostenloses Wohnen – wenn Constance die Ehe seines Sohne ruiniert. C’est bon: eine echte Win-Win-Situation. Okay – vielleicht nicht für alle. Aber: C’est la vie… Hauptsache seine Enkel haben später nicht den Intelligenzquotienten eines Goldfisches…

Immer schön, einem wahren Profi zuzusehen: In dem Fall einem mit Meistertitel in Ekelhaftigkeit und sozialer Dysfunktionalität. Monsieur Henris verbaler Vernichtungszug gegen den Rest der Welt macht schon für sich einen Heidenspaß. Doch erst die exquisit komischen Wortgefechte mit seiner neuen Mieterin bringen den dialogischen Funfaktor komplett nach oben. Denn die ist alles andere als auf den Mund gefallen. Allerdings auch nicht wirklich vom Glück begünstigt… Und der erzwungene Flirt mit Henris Sohn hinterlässt seine Spuren – und zwar bei allen Beteiligten.

Soll man jetzt wirklich wieder das Loblied der französische Komödie anstimmen? Na warum denn nicht? Schließlich schafft es Regisseur Ivan Calberac in Frühstück bei Monsieur Henri alle Klippen der Albernheit sowie inhaltliche Flachwasser virtuos zu umfahren. Hollywood bitte mal hersehen: So witzig und streckenweise tief ergreifend kann eine Nicht-Liebesgeschichte sein. Und dabei doch so herrlich ausgelassen.

Das liegt natürlich zunächst am wunderbaren Zusammenprall der beiden WG-Streithähne gespielt von Claude Brasseur und Noemie Schmidt. Aber auch der ganze Tonfall des ursprünglich als Theaterstück geborenen Films bezaubert seinen Zuschauer durch Witz und Weisheit gepaart mit berührendem Charme. Und, wie eingangs erwähnt, einem Ekelpaket der Premium-Klasse. Verneige dich in Demut, deutsches Ekel Alfred. Du hast deinen Meister gefunden – und er ist noch dazu Franzose…

Der Trailer zu Frühstück bei Monsieur Henri