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Der Moment der Wahrheit – die Review

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Wir schreiben das Jahr 2004: George W. Bush und John Kerry liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um das Amt das Präsidenten der Vereinigten Staaten – die machtvollste Position auf Erden. Eine kristallklare militärische Vergangenheit ist dafür unerlässlich – die USA wollen einen starken Mann im Oval Office wissen. Offizier ist gut, Kriegsheld besser. Zahlreichen militärischen Auszeichnungen und Verwundungen zum Trotz, muss John Kerry daher sein Image als Kriegsgegner entschärfen. Und George W. Bush?  Ehemaliger Nationalgardist und Pilot. Nichts zu beanstanden also, in den Augen der konservativen Bevölkerung.

Bis die Journalistin Mary Mapes höchst brisante Unterlagen zugespielt bekommt: Diese tauchen die militärische Vergangenheit von George W. Bush in ganz neues Licht – und nicht eben schmeichelhaftes. Der erfahrenen Produzentin ist sofort klar: Kurz vor der Wahl – und speziell bei einer Pattsituation der beiden Kandidaten – kann so etwas die Entscheidung bedeuten. Aber sind die Papiere wirklich echt? Gemeinsam mit dem legendären CBS-News-Anchorman Dan Rather stellt sie ein Team zusammen, das der Wahrheit auf den Grund kommen soll. Schließlich geht sie damit auf Sendung – kleinen Restzweifeln zum Trotz. Und entfacht einen medialen und politischen Sturm, der sie und ihr Team verschlingen wird.

Rathergate nannte man damals den Skandal um die brisanten Papiere. In den Staaten eine Sensation, in Deutschland eine außenpolitische Randnotiz. Die Journalistin Mary Mapes brachte ihre Sicht der Dinge später zu Papier Truth and Duty: The Press, the President, and the Privilege of Power lautet der Titel ihres Buches. Drehbuchautor und Produzent James Vanderbilt hat daraus einen Film gemacht. Und den muss man sich ansehen.

Warum? Weil darin ein grandioses Star-Ensemble mit Cate Blanchett, Robert Redford, Topher Grace, Dennis Quaid und Bruce Greenwood zeigt, was hochklassige Schauspielerei alles vermag. Weil die unselige Verstrickung von Medien und Politik aktueller ist als je zuvor und ihre perfiden Mechanismen nicht oft genug ans Licht gezerrt werden können. Weil investigativer Journalismus längst eine vom Aussterben bedrohte Art ist – und dennoch wichtiger denn je. Und weil der Film virtuos, spannend und eindringlich zeigt, wie Wahrheit medial zerrieben wird. Irgendwann diskutierte eine ganze Großmacht nur noch darüber, ob die Dokumente gefälscht sind. Der Sachverhalt selbst – Bushs militärische Eskapaden scheint niemanden mehr zu interessieren. Und ja: Der Moment der Wahrheit ist inhaltlich komplex. Er fordert den Zuschauer, verlangt Konzentration und eigene Denkprozesse. Doch wer den Weg zwei Stunden intellektuell mitgeht, wird am Ende feststellen: Er war es wert. Jede Minute davon.

Der Trailer zu Der Moment der Wahrheit