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„Burg Schreckenstein“ – die Kritik

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Die spannenden Streiche der Schüler auf Burg Schreckenstein von Oliver Hassencamp gehörten in den Achzigern zur Standard-Lektüre jedes lesehungrigen Jungen zwischen 10 und fünfzehn Jahren. Ein Jungsinternat  in einer alten Ritterburg komplett mit Verliesen, Geheimgängen, Skelett und Folterkammer. Dazu Klassenkameraden, die zusammenhalten wie Pech und Schwefel. Nicht zu vergessen, die Schülerinnen des nahe gelegenen Mädcheninternats Schloss Rosenfels. Quasi die natürlich Feinde der Jungs und dadurch Primär-Ziel für nächtliche Streiche. Viel cooler wird’s für Jungs in einem bestimmten Alter nicht mehr.

Für den elfjährigen Stephen ist die Vorstellung, sein Leben erstmal in dem Internat zu verbringen, trotzdem ein Albtraum. Hilft nur alles nichts: Sein Eltern trennen sich, andere in Frage kommende Schulen gibt‘s nichts – also ab mit ihm nach Schreckenstein. Doch ohne Eingewöhnung inklusive Funkenflug geht es auch hier nicht ab. Denn als Nachfahren der Ritter halten sich die Schreckensteiner Jungs an einen selbstgewählten Codex: Ich will auf Schreckenstein allzeit fair und ehrlich sein. Kein Abschreiben, Lügen, Rauchen… junge Ritter der Neuzeit, eben. Aber auch daran muss man sich als Neuzugang erstmal gewöhnen.

Doch nicht zuletzt der coole Direktor Rex (Henning Baum) sorgt dafür, dass seine Jungs auch Neulingen eine faire Chance geben. Und die nutzt Stephen souverän: Schon bald ist er ganz vorne mit dabei, wenn seine neuen Freunde Dampfwalze (Chieloka Nwokolo), Mücke (Caspar Krzysch), Strehlau (Eloi Christ) und Ottokar (Benedict Glöckle) neue Pläne für ihre immer aufwendigeren Streiche schmieden.

Doch sind sie nicht die einzigen, die sich auf den Kriegspfad begeben: Die Mädchen von Rosenfels entpuppen sich als so würdige wie einfallsreiche Gegner. Und das, obwohl sie mit der strengen Frau Dr. Horn (Sophie Rois) als Leiterin geschlagen sind. Und die hat noch weit weniger Humor und Verständnis für den Schlagabtausch der Schüler, als sogar Hausherr Graf Schreckenstein (Harald Schmidt) höchstselbst. Doch der ist ja auch in mehr als nur einer Hinsicht verschroben…

Wer jetzt befürchtet, dass durch Ralf Huettners Adaption von Burg Schreckenstein noch der Mief der 80er-Jahre weht, kann beruhigt sein: Das Kult-Internat wurde von ihm kräftigt durchgelüftet und kernsaniert. Auch seine neuen Bewohner können unter ihresgleichen im Publikum als cool durchgehen den Internatsuniformen zum Trotz. Selbst die Streiche haben im Vergleich zur Buchvorlage ein Update bekommen. Heute prankt man sich mit Drohnen, Handy Elektro-Scooter. Und das ist auch gut so: Schließlich will der Regisseur ja keine nostalgischen 50-Jährigen für seine Abenteuer begeistern, sondern heutige Jugendliche bei denen die Original-Scherze vermutlich bestenfalls Mitleid für die technisch gehandicapten Kids von damals auslösen würden…

Trotzdem ist Burg Schreckenstein letztlich ein höchst sympathisches Abenteuer geworden, das bei Jungs und Mädchen dieses Alters ins Schwarze treffen sollte. Denn Spaß macht der filmische Reboot der Jugendbuch-Serie auf jeden Fall. Den jungen Zuschauern und offenbar auch den kleinen und großen Stars des Abenteuers, deren spürbarer Freude am Dreh sich binnen Kurzem aufs ganze Publikum überträgt.

Der Trailer zu Burg Schreckenstein