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„Bridget Jones‘ Baby“ – die Kritik

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Seit sich der blonde Beziehungsschussel Bridget Jones im Jahr 2004 zur Freude seiner Millionen Fans Am Rande des Wahnsinns wiederfand, ging es rapide bergab: Mit den Plänen zu einer weiteren Fortsetzung der witzigen Abenteuer um ein unerwünschtes Single-Leben in London. Aber auch mit Hauptdarstellerin Renee Zellweger, die nie auch nur im Entferntesten an den riesigen Erfolg ihrer Paraderolle anknüpfen konnte und sich daraufhin sogar ganz von der Traumfabrik abwandte. Sie konnte zwar schließlich wieder umgestimmt werden. Nicht jedoch Hugh Grant, der ja in den ersten beiden Teilen für emotionales Störfeuer sorgte.

So oder so: Der dritte Teil von Bridget Jones war eine schwere Geburt. Was andererseits auch wieder hervorragend zum Thema passt. Denn eine solche steht demnächst unverrückbar auf dem Plan der mittlerweile 43-Jährigen. Eigentlich ja ein Grund zur Freude: Schließlich war die im Leben der quirligen Nachrichten-Produzentin immer noch eine schmerzhafte Lücke. Mit den meisten anderen Unstimmigkeiten hatte Bridget im Laufe der Jahre nämlich mehr oder minder ihren Frieden geschlossen.

Lediglich um die dazu passende Vaterschaft steht es eher ungünstig. Denn der betreffende Zeitraum verlief für die in Folge werdende Mutter erstaunlich interessant: Nicht genug damit, dass sie damals Charme, Aussehen und Drinks des smarten Internet-Millionärs Jack Quant (Patrick Dempsey) erlegen ist. Zeitnah gab es auch ein unerwartet intensives Wiedersehen mit ihrem Ex-Mann Mark Darcy (Colin Firth).

Wer also wirklich der Vater ist? Ohne entsprechende Tests nicht zu verifizieren. Aber nachdem zwei Aspiranten ja irgendwie besser sind als gar keiner, werden einfach mal beide in emotionale Haftung genommen. Mit guten Entscheidungen tat sich die Gefühls-Chaotin ja immer schon eher schwer. Und nachdem beide Pseudo-Väter zu der Rolle stehen wollen, wäre es doch fast schon schade, jetzt den Stecker zu ziehen. Vor allem, wenn man nicht weiß, welches sich diesbezüglich als richtiges Kabel erweisen wird…

Bridget Jones scheint eine dieser Freundinnen zu sein, die man lange Zeit nicht sieht und mit der dennoch sofort wieder Vertrautheit herrscht. Mühelos hat Renee Zellweger in ihre alte Rolle zurückgefunden und schafft es sogar, dem Charakter glaubhaft den Reifezuwachs zu vermitteln, der wohl auch ihr eigenes Leben geprägt hat. Natürlich in vernünftigen Grenzen. Oder eher nuvernünftigen: Bridget Jones’ Baby ist vor allem ein Wiedersehen mit dem sympathischen Schusselchen, das seit Schokolade zum Frühstück einen Platz in unserem Herzen hat. Kurz: Wo Bridget Jones draufsteht, ist auch Bridget Jones drin und etwas anderes wollen Fans ja auch gar nicht von Regisseurin Sharon Maguire, die ja bereits den ersten Teil  der Trilogie ins Kino gebracht hat.

Auch Colin Firth schlüpft komplett reibungsfrei zurück in die Rolle des hüftsteifen Anwalts Mark und auch das hochnotpeinliche Intermezzo der beiden Ex-Partner hat nichts von seiner früheren Komik eingebüßt. Dass nicht mehr Hugh Grant sondern Patrick Dempsey den Konkurrenten gibt, ist weniger ein Verlust sondern eine begrüßenswerte neue Note in dem ansonsten bewährten Gefühlsreigen der kuriosen Art.

Komik, Peinlichkeit, Tränen, Hysterie: Zum dritten Mal funktioniert die alte Zauberformel von Bridget Jones somit ganz prächtig. Nichts davon ist natürlich neu aber wo ist es das schon, in solcherart romantischen Komödien, heute gerne auch Romcoms genannt. Was jedoch diese speziellen Vertreter der Gattung auszeichnet, ist ein Händchen für Momente, eine extrem sympathische Hauptfigur und nicht zuletzt tolle Darsteller, die in ihren Stammrollen komplett aufgehen. In Summe genügt das für über zwei Stunden beste Unterhaltung beim der emotionalen Hürdenlauf einer alten Filmfreundin, die in dem Stil gerne wieder von sich hören lassen darf.

 Der Trailer zu Bridget Jones’s Baby