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„Antonio, ihm schmeckt’s nicht“ – die Kritik

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In Maria, ihm schmeckt’s nicht! war es 2009 ein langer Weg bis Jan (Christian Ulmen) seine Halbitalienerin Sara (Mina Tander) endgültig in die Arme schließen durfte. Bereits damals lag das Problem nicht bei dem jungen Paar, sondern dem italienischem Vater der Braut und seinen bemerkenswerten Schrullen und Vorstellungen von der Hochzeits-Zeremonie. Die erfolgreiche Komödie nach dem gleichnamigen Roman von Jan Weiler hatte damals Charme, Witz und genug Feingefühl, nicht alle kulturellen Stereotypen komplett auszulatschen.

Jetzt kommt mit Antonio, ihm schmeckt’s nicht die Fortsetzung des Culture-Clashs ins Kino. Und einmal mehr zeigt der Herr Papa (Alessandro Bressanello), dass mit ihm zu rechnen ist, wenn es um das Wohlergehen seiner mittlerweile schwangeren Tochter geht. Diese plant mit ihrem Mann noch vor dem Elternglück die Erfüllung eines alten Traumes: Ein paar gemeinsam Tage in New York, quasi als Ersatz für die ausgefallene Hochzeitsreise.

Gute Idee, findet auch Papa Antonio. Aber nachdem der von ihm immer noch misstrauisch beäugte Jan ja wohl als Beschützer ein Totalausfall ist, muss er das wohl selbst übernehmen. Außerdem gab es im Big Apple für ihn sowieso noch etwas zu erledigen. Ein altes Versprechen, das er seit Jahrzehnten vor sich herschiebt. Eine höchst dubiose Geschichte, die ihm allerdings niemand abkauft. Nicht seine Frau, seine Tochter und schon gar nicht Jahn, den sowohl die hemmungslosen Scherze seines Schwiegervaters als auch die ganzen Münchhausen-Geschichten zunehmend den Nerv rauben.

Trotzdem: Das so listige wie sturköpfige Familienoberhaupt abzuschütteln, scheint unmöglich. Ganz im Gegenteil: Plötzlich findet sich Jan mit seinem Schwiegervater in der Honeymoon-Suite wieder, die er eigentlich für sich und seine Frau gebucht hatte. Seine Sara in weiter Ferne, seine angeheiratete Nemesis schnarchend im Bett neben sich. Kein Wunder: In puncto Finten und Winkelzüge kann es der grundgute Deutsche nicht mit dem gewieften Antonio aufnehmen. Dass bei dessen Tochter langsam reine Mordlust in den Augen blitzt und selbst die Entspannungstaktiken des Schwiegersohns langsam versagen, will der rüstige Rentner einfach nicht sehen. Schließlich meint es ja nur gut. Alles zum Besten des jungen Paares, lautete seine Legitimierung. Ob dieses es will oder nicht, steht dabei auf einem anderen Blatt …

Im zweiten Teil des fremdgesteuerten Beziehungs-Chaos tritt der Aspekt der kulturellen Differenzen fast komplett in den Hintergrund. Hier heißt es Sturkopf gegen Rest der Familie. Das hat durchaus auch seinen Witz, selbst wenn einige der Humorquellen ein wenig zu oft bemüht werden. Dass Antonio und Jan für ein schwules Paar auf Hochzeitsreise gehalten werden, erschöpft sich ab dem dritten Mal doch stark. Aber insgesamt steckt in dem turbulenten Trip von Regisseur Sven Unterwaldt genug Komik, um die 95 Minuten nie Langeweile, dafür immer wieder reichlich Gelächter aufkommen zu lassen.

Speziell Alessandro Bressanello als skrupelreduzierter Italo-Patriarch sorgt für viele witzige Momente, wenn er mühelos zwischen weltgewandtem Superchecker und armen Opfer einer böswilligen Familie umschaltet je nachdem, welche soziale Überlebensstrategie ihm gerade geeignet erscheint. Mina Tander als heißblütige Tochter ist dazu ein passendes Gegengewicht, und dass aus Christian Ulmen kein facettenreicher Schauspieler mehr wird, hat ja bereits in Teil eins keinen echten Schaden angerichtet.

Vielen Überraschungen oder ein origineller Twist sind nicht die starke Seite von Antonio, ihm schmeckt’s nicht. Dafür sympathische Charaktere, verstrickt in einen Familienreigen, den zu betrachten durchaus Freude bereitet. Typisch deutsche Sommerkomödie: Macht sofort gute Laune, bietet Genuss ohne Reue, gefühlt schnell vorbei  und mit wenig Substanz. Quasi das filmische Pendant zu einem Wassereis. Und muss genau deshalb trotzdem manchmal sein.

Der Trailer zu  Antonio, ihm schmeckt’s nicht