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Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln – die Review

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Es gibt Filme, die sind nicht nur auf der Leinwand ein großer Erfolg. Manche erweisen sich als solche Volltreffer, dass sie in großen Konzertsälen aufgeführt werden, während ein Live-Orchester die Musikuntermalung übernimmt. Der “Herr der Ringe” gehört dazu. “Der Fluch der Karibik” – und nicht zuletzt: “Alice im Wunderland“.

Die siebe Collaboration des Dreamteams aus Regisseur Tim Burton und seinem Lieblingsstar Johnny Depp lockte allein in Deutschland fast drei Millionen Zuschauer in die Kinosäle. Zwei Oscars gingen an die optisch überbordende Darstellung einer Traumwelt, die bislang für unverfilmbar gehalten wurde. Ein Star-Ensemble u.a. mit Anne Hathaway und Helena Bonham Carter als verfeindete Königinnen sorgte für mimische  Klasse, CGI-Effekte am oberen Rand des Machbaren für vor Staunen weit aufgerissene Augen hinter den 3D-Brillen. Die zeitlose Geschichte selbst ist per se über alle Zweifel erhaben: Seit etwa 150 Jahren fasziniert der Ausflug eines Mädchens in eine Welt voll Magie mit fremden und doch seltsam vertrauten Bewohnern Leser aller Länder und Altersklassen – noch heute fallen Zitate daraus im Oberhaus des britischen Parlaments.

Dass in der Umsetzung des zweiten Romans von Schriftsteller Lewis Carroll massive Veränderungen vorgenommen werden, war bei einem solchen Erfolg nicht  zu erwarten. Warum auch? Zwar wurde das filmische Szepter von Tim Burton  an seinen Kollegen James Bobin weitergereicht. Doch der hat ja bereits “Die Muppets” höchst erfolgreich wieder zum Leben erweckt. Bei denen musste er dazu einen völlig neuen Zugang finden – bei “Alice 2” stand die filmische Marschroute seit dem Erfolg des ersten Teils größtenteils fest.

An diese hält sich der Filmemacher auch – und legt die Latte für Eyecandy sogar noch etwas höher. Denn die Zauberwelt hinter den Spiegeln, in die Alice zurückkehrt, ist noch praller gefüllt, ist visuell noch detaillierter – sechs Jahre Fortschritt in der Filmtechnik, die sich auf der Leinwand abbilden. Auch der neue, große Gegner von Alice hat faszinierendes Format: Diesmal muss es die junge Heldin mit der Zeit aufnehmen – wundervoll verkörpert durch Sacha Baron Cohen – aka “Borat” – der mit seiner surrealen Präsenz sogar dem verrückte Hutmacher Johnny Depp die Show stiehlt.

Ansonsten kann sich der Zuschauer auf ein Wiedersehen freuen mit alten Feinden wie der Roten Königin und dem gräßlichen Jabberwocky. Vor allem aber mit alten Freunden wie der Grinsekatze, dem Märzhasen, Diedeldum Diedeldei, der Raupe – und natürlich dem verrückten Hutmacher. Und mehr will und braucht man doch auch nicht, wenn man zum zweiten Mal ein Land bereist, das einen schon beim ersten Mal grenzenlos fasziniert hat.